Venedig verbannt große Kreuzfahrtschiffe
| Aktuell | Reisenews Von

Venedig verbannt große Kreuzfahrtschiffe

Die riesigen weißen Kolosse zwischen malerischen venezianischen Kanälen sind fast schon ein abstrakter Anblick. Wie gigantische Raumschiffe bewegen sie sich langsam durch die Lagune und vermiesen einem nicht nur die Aussicht sondern richten dabei auch schwere Schäden an der eh schon so zerbrechlichen italienischen Stadt an. Bald könnte Venedig jedoch wieder aufatmen. Mit Januar wird die Anzahl der Kreuzfahrtschiffe, die den Giudecca-Kanal passieren dürfen, deutlich verringert.

Wie mehrere italienische Tageszeitschriften berichten, tragen die jahrelangen Diskussionen um eine Regulierung des Kreuzfahrtschiffsverkehrs in Venedig anscheinen erste Früchte. Der Bürgermeister von Venedig, Port of Venice und der italienische Regierungschef Enrico Letta haben jetzt einen Beschluss gefasst, der die Anzahl der großen Kreuzhaftschiffe, die in Venedig einlaufen, schon im Januar 2014 deutlich reduzieren soll.

Eigentlich existierte beim italienischen Umweltministerium schon seit 2012 ein Dekret, das den Kreuzfahrtschiffsverkehr regulieren soll. Jetzt soll dieses auch endlich umgesetzt werden. Als erstes wird die Anzahl der großen Kreuzfahrtschiffe im Giudecca-Kanal reduziert. Ab Januar 2014 werden im Vergleich zu 2012 rund 20 % weniger Kreuzfahrtschiffe mit über 40.000 BRZ* einlaufen. Laut der italienischen Regierung werden dadurch die Emissionen um ganze 50 % reduziert.

*Bruttoraumzahl

Ab November des kommenden Jahres soll Schiffen mit mehr als 96.000 BRZ der Zugang zum Kreuzfahrt-Terminal von Venedig komplett verwehrt bleiben. Von der Sperre betroffen sind zum Beispiel die Fantasia-Class-Riesen von MSC und zwei der größten Schiffsklassen von Costa. Die größten schiffe der Norwegian Cruise Line und Royal Caribbean liegen knapp unter der Grenze.

Venedig verbannt große Kreuzfahrtschiffe

Es ist fraglich, ob ab November 2014 Kreuzfahrtschiffe den Hafen von Venedig überhaupt noch ansteuern dürfen. Alternativen zum Giudecca-Kanal gibt es derzeit jedoch noch nicht. Der Ausbau des Kanals Contorta Sant’Angelo, der als Ersatz in Frage käme, könnte rund 100 Millionen Euro kosten. Auch der Frachthafen von Marghera könnte schon bald als Kreuzfahrt-Hafen genutzt werden.

Die weißen Kolosse haben schwere Folgen für die Lagune. Die Schiffe belasten das ökologische Gleichgewicht von Venedig und richten durch den verursachten Wasserdruck nicht nur an den angrenzenden kleinen Kanälen schwere Schäden an den Fundamenten der Häuser und Paläste an.

Fotos: Marie-Lan Nguyen / wikipedia und ahisgett / Flickr cc.

Schreiben Sie einen Kommentar