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  •   7 min read

Marco ist ein Backpacker durch und durch, ein Fan von kuriosen Transportmitteln, Abenteuern und faszinierenden Reisebegegnungen. In seinem Blog Life is a Trip nimmt er die Rolle eines Geschichtenerzähler des digitalen Zeitalters ein. liligo erzählte er über sein erstes Reisefieber, seine Lieblingsdestinationen und darüber, wie er sich „durch die Welt jobbt“.

Mit Schifferklavier in Plovdiv Bulgarien
Mit Schifferklavier in Plovdiv, Bulgarien.

Name: Marco Buch
Blog: Life is a Trip
Aktueller Standort: Brandenburg
Letzte Reise: Portugal und Spanien
Nächste Reise: Finnland

Reiseutensil, das nie fehlen darf: Gute Kopfhörer.
Am öftesten zu Hause vergessen: Handtuch.
Rucksack oder Koffer? Immer Rucksack.
Zelt oder Hotel? Beides gerne.
Roadtrip oder Flugreise? Roadtrip! Aber für die Ferne auch gern mal ein Flug.
Allein, zu zweit oder in der Gruppe? Meistens alleine, manchmal zu zweit, nie in der Gruppe.

Kannst Du dich noch an den genauen Moment erinnern, als Dich das Reisefieber gepackt hat?

Ich war schon als Kind und Jugendlicher sehr gerne unterwegs und habe dann auch schon früh angefangen, mir Ferienjobs im Ausland zu suchen. Aber ich denke, es es muss wohl bei meiner ersten Fernreise 1999 gewesen sein, als ich mir endgültig den ‚travel bug‘ einfing. Ich hatte mich damals spontan meinem Mitbewohner auf einer Reise nach Süd-Indien angeschlossen, und war vom ersten Moment an verzaubert vom wundervollen Chaos des Subkontinents!

Vor allem aber verstand ich auch endlich, was Backpacking ausmachte: Ständig andere, aufregende Orte entdecken und dabei neue, gleichgesinnte Reisende aus der ganzen Welt treffen. Vor allem aber auch ein enger Kontakt zur einheimischen Bevölkerung mit ihrer Kultur und ihrem Essen. Nach ein paar Wochen mit dem Rucksack durch dieses schräge und in jeder Hinsicht außergewöhnliche Land war es um mich geschehen und ich wusste, ich wollte noch viel mehr davon!

Mit Roboter beim Burning Man Festival
Mit Roboter beim Burning Man Festival.

Woher stammt das „Markenzeichen“ von Life is a Trip? Welche Symbolik versteckt sich hinter dem bunten Bus?

Der farbenfrohe Bus ist ein sogenannter ‚Chicken Bus‘ aus Guatemala, ein Gefährt, in dem neben Menschen und viel Gepäck auch gerne mal ein paar lebendige Tiere mitreisen. Ein Transportmittel also für den normalen Einheimischen. Ich finde diese meist aufwändig verzierten Busse einfach sehr hübsch. Sie symbolisieren aber auch recht gut meine bevorzugte Art des Reisens: Simpel und authentisch.

Dazu kommt noch, dass es auf meinem Blog oft um die, häufig ungewöhnlichen, Transportmittel von Ort zu Ort geht und nicht um die Orte selbst. Aus all diesen Geschichten ist mein Buch ‚Making Moves – Ungewöhnliche Arten von A nach B zu gelangen‘ entstanden. Auch hierfür steht der bunte ‚Chicken Bus‘ symbolisch.

Welche drei Adjektive würden deinen Blog am besten beschreiben?

Ausgefallen. Abenteuerlich. Unterhaltsam.

Als Kutscher in Myanmar
Als Kutscher in Myanmar.

Du schreibst, Du möchtest mit Life is a Trip die „Tradition des Geschichtenerzählens ins digitale Zeitalter hinüberretten“. Geschichtenerzähler nehmen in den verschiedenen Kulturen die unterschiedlichsten sozialen Rollen ein. Welche fasziniert dich am meisten?

Das stimmt, Geschichtenerzähler hatten in früheren Zeiten oft eine große Bedeutung für Gesellschaften, was in Zeiten des Internets natürlich etwas anders ist. Doch obwohl sich die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren, in den letzten Jahren so drastisch verändert hat, denke ich doch, dass dem Menschen die grundsätzliche Lust auf Geschichten erhalten geblieben ist. Man muss sie heute nur anders erzählen, um gehört zu werden.

Vor allem sehe ich mich beim Geschichtenerzählen in der Rolle des klassischen Unterhalters. Ich möchte die Menschen, die meine Geschichten lesen (oder ihnen tatsächlich am Lagerfeuer lauschen), in ihrem eigenen Kopf auf die Reise schicken. Sie sollen meine Erlebnisse so intensiv hören, sehen, riechen und schmecken, als ob sie selbst mit dabei gewesen wären. Auf diese Weise möchte ich ihnen eine kurze Flucht aus ihrem Alltag ermöglichen, ohne dass sie sich dafür auch nur aus dem Lesesessel schälen müssen.

Außerdem bin ich überzeugt davon, dass wir durch das Reisen alle bessere Menschen werden können, da man unterwegs seine eigene Realität und seine Ansichten immer wieder in Frage stellt und grundsätzlich toleranter und empathischer wird. Wenn ich auch nur einen Teil dieses Effekts in meinen Geschichten weitergeben kann, ergibt sich aus der Unterhaltung ein toller Nebeneffekt.

Mit einem jungem Möˆnch an Bord eines Schiffes nach Bagan in Myanmar.

Dein Buch Whatever work(s): Karriere machen war gestern handelt über eine Reihe von abwechslungsreichen Arbeitserfahrungen, die Du zu Hause und unterwegs gesammelt hast. Was war der wohl ungewöhnlichste Job, mit dem Du auf Reisen Dein Reisebudget aufgebessert hast?

Ich habe schon in vietnamesischen Bars Musik gemacht, Solaranlagen in Laos betreut, Touristen durch Kalifornien gefahren, Spaniern Englisch beigebracht und in der Ukraine für eine Reality-TV-Serie die Organisation übernommen. Doch der vielleicht schrägste Job unterwegs ergab sich vor einigen Jahren, als ich beim Burning Man Festival ganz überraschend für ein paar Stunden zum Aushilfs-Wahrsager wurde.

Dabei musste ich bei 40 Grad die ganze Zeit versuchen, meine ziemlich zugedröhnten Kunden mit meinen Prophezeiungen in positiver Stimmung zurückzulassen. Für diesen schrägen Job gab es zwar kein Geld, dafür aber eine Menge freundschaftlicher Umarmungen und am Ende sogar noch ein altes, klappriges Fahrrad!

Wieder mal ein neuer Job, diesmal in Laos
Wieder mal ein neuer Job, diesmal in Laos.

Du schreibst, Du fühlst dich in Berlin, in Brandenburg und auf der thailändischen Insel Ko Phangan zuhause. Was macht für dich die Anziehungskraft Thailands aus?

Schon bei meinem allerersten Besuch Thailands habe ich mich bereits nach wenigen Stunden in dieses Land verknallt. Als ich kurz später als Freiwilliger nach dem Tsunami gearbeitet habe, hat mich das sofort noch mehr mit Thailand und seinen Menschen zusammengeschweißt.

Thailand bietet magische Landschaften, eine faszinierende Kultur, wahnsinnig gutes und dabei erschwingliches Essen, immer warmes Wetter und, vor allem, ein paar der freundlichsten Menschen, die man auf dieser Welt so treffen kann. Ich mag die Lebensphilosophie der Thais sehr, die hauptsächlich auf ‚Suay‘, ‚Sanook‘ und ‚Sabai‘ basiert, frei übersetzt also auf Schönheit, Spaß und Wohlbefinden. Noch Fragen?

Was war Dein aufregendster Reisemoment? Oder gibt es mittlerweile schon zu viele, um sich für einen zu entscheiden?

Da gibt es in der Tat schon so einige, und ich habe viele davon in meinem Buch ‚Making Moves‘ verarbeitet. Es war zum Beispiel ein echtes Abenteuer, mit Tuk Tuks durch ganz Südostasien zu fahren. Oder aber mit 200-Euro-Schrottautos 3000 beschwerliche Kilometer in die Ukraine zurückzulegen. Aber auch eine simple Bootsfahrt auf dem burmesischen Ayeyarwaddy war für mich eines der tollsten Reiseerlebnisse. Ach ja, und dann hat mich mal ein Lokführer in Kuba für ganze 15 Minuten seinen Zug fahren lassen. Mit Anhalten an Bahnhöfen und allem drum und dran. Das war wirklich außergewöhnlich aufregend!

Das Tuk Tuk, in dem ich 4000 Kilometer zurücklegte
Das Tuk Tuk, in dem ich 4000 Kilometer zurücklegte.

Welche Destination hat Dich auf Deinen Reisen bisher am meisten beeindruckt und welche sorgte eher für Enttäuschung?

Fangen wir mit der Enttäuschung an: Florida hatte ich mir wirklich toller vorgestellt. Besonders Miami war ein Ort, wo ich so bald nicht wieder hin muss.

Nachhaltig beeindruckt hingegen hat mich das mystische Myanmar, wo ich es zum Glück noch hingeschafft habe, bevor sich dort die Verhältnisse änderten und die Touristenhorden kamen. Auch Nicaragua mit seinen Vulkanen, Seen und kolonialen Städten empfand ich damals als sehr beeindruckend, besonders, da ich dort erst mal gar nicht viel erwartet hatte. Und dann gibt es da natürlich noch die all-time Klassiker wie zum Beispiel Mexiko, Kambodscha und Indien. Auch nach mehreren Besuchen wird man in diesen Ländern immer wieder überrascht und mit fantastischen Reisemomenten und Geschichten belohnt!

Kannst Du dich an eine Reisepanne erinnern, die sich besonders gut als Anekdote am Lagerfeuer eignet?

Ich weiß nicht genau, ob das überhaupt noch als Reisepanne durchgeht: Ich wurde mal als Musiker in eine Bar auf einer thailändischen Insel eingeladen und habe dort dann die ganze Nacht durch musiziert und dabei gemeinsam mit dem Publikum versucht die Bar leerzutrinken. Da in Thailand alles im sozialen Miteinander von der Tradition des ‚Gesichtwahrens‘ beherrscht wird, stand es für die Barleute wohl nicht zur Debatte, mich zu später Stunde zum Aufhören zu überreden.

Stattdessen kippten sie mir kurzerhand ein Betäubungsmittel in mein Getränk und stellten mich auf diese Weise ruhig. Ich erwachte am nächsten Morgen als Einziger in der Bar, gemütlich an meine Gitarre gekuschelt…

Essen ist füˆr mich ein großer Teil des Reisens. Hier mit frittierten Fröˆschen.

Falls Dich Scotty in diesem Moment an einen beliebigen Ort beamen könnte, welche Koordinaten würdest Du wählen?

Ganz ehrlich? Ich würde zu ihm sagen: Scotty, alter Junge, setz‘ Dich zu mir hier an den See im verwunschenen Brandenburg und glotz‘ gemeinsam mit mir ins Schilf. Bevor der Winter wieder Einzug hält, kannst Du mit dem Beamen erst mal Pause machen!

Welcher Song weckt bei Dir derzeit die Lust, die Koffer zu packen?

Ich höre gerade eine EP des Franzosen 20syl rauf und runter. Gerade beim Track ‚Kodama‘ kann ich vor meinem inneren Auge einen schnellen Zusammenschnitt von Szenen einer Reise in ferne Länder sehen. Der Schnitt steht in meinem Kopf bereits, jetzt brauche ich nur noch die Bilder!

Hören wir mal rein…

Fotos: Life is a Trip

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