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Jetzt stellte auch Malév den Flugbetrieb ein

2012 hat für einige Fluggesellschaften nicht gerade rosig angefangen. Am Freitag sah sich jetzt auch die ungarische Airline Malév dazu gezwungen, ihren Betrieb einzustellen. Aus wirtschaftlichen und finanziellen Gründen sei die Malév -Flotte nicht mehr in der Lage zu starten, meldete die Airline. Dies ist kein Einzelfall. Nur eine Woche zuvor kam es auch bei der spanischen Fluggesellschaft Spanair zur letzten Landung.

Das ungarische Unternehmen Malév wurde im Jahr 1946 mit sowjetischer Beteiligung gegründet. Seitdem verband das Staatsunternehmen 66 Jahre Budapest und Ungarn mit dem Rest der Welt. 1992 begann die ungarische Regierung die Privatisierung der Fluggesellschaft.

Aktien sicherte sich zuerst die italienische Flotte Alitalia und in der zweiten Runde auch russische Unternehmen, was aber die finanzielle Lage von Malév nicht verbesserte. Das Unternehmen schrieb weiter rote Zahlen. In 2010 zog der ungarische Staat die Notbremse. Er stockte das Grundkapital auf und sicherte sich 95 Prozent der Aktienanteile.

Dies war das Anfang vom Ende, zu dem es vergangenen Freitag gekommen ist. Wegen des schwindenden Vertrauens der Lieferanten, beklagte Malév eine mangelnde Liquidität. Dies war der Grund, wieso letzten Freitag knapp 7000 Passagiere in Budapest und Ausland vergeblich auf ihren Malév-Flug gewartet haben.

Malév bleibt am Boden

Ähnlichkeiten mit Spanair

Nur eine Woche zuvor musste sich auch die spanische Fluggesellschaft Spanair im Kampf mit der Insolvenz geschlagen geben. Zwischen den zwei Fluggesellschaften liegen zwar einige Luftmeilen, die Fälle sehen sich jedoch in ihrer Entwicklung überraschend ähnlich:

  • Die ungarische Regierung investierte zwischen 2007 und 2010 direkt und indirekt hunderte Millionen Euro in die Kasse des Unternehmens. Da selbe konnte man in Spanien bei der Airline Spanair beobachten.
  • Bei beiden Unternehmen erklärte die Europäische Kommission die Staatshilfe als rechtswidrig, da sie gegen die Prinzipien des freien Marktes verstoße. Dadurch blieb weitere Unterstützung seitens des Staates bei beiden Airlines aus.
  • In beiden Fällen wurde mit ausländischen Fluggesellschaften über einen Last-Minute-Kauf des Unternehmens verhandelt: Vueling im Fall von Malév, Qatar Airways bei Spanair.

Nach der Pleite

Der letzte Passagierflug am 3. Februar war der MA 745 von Helsinki nach Budapest. Dabei wurde am Ende der folgende bewegende Funkverkehr zwischen Pilot und Tower aufgezeichnet:

  • Pilot: “Wir bedanken uns im Namen der Crew des letzten Malév-Fluges für die schöne, jahrzehntelange Zusammenarbeit. Tschüss.”
  • Tower: “Auch wir bedanken uns und wünschen eine gute Erholung. Ich hoffe, dass wir uns wieder treffen.”
  • Pilot: “Das hoffen wir auch, unter einem anderen Namen.”

Malév bleibt am Boden

Malév, die 2600 Arbeiter beschäftigte, brachte jährlich rund drei Millionen Passagiere an ihr gewünschtes Ziel. Die Flüge der ungarischen Airline machten 40 Prozent des Luftverkehrsaufkommens in Budapest aus. Die Schulden der Fluggesellschaft sollen sich auf 74,6 Milliarden Forint belaufen.

Reisenden, die ein Ticket der ungarischen Fluggesellschaft erworben haben, sollten wegen Rückerstattung oder Entschädigung mit der Fluggesellschaft auf einer der unteren Telefonnummern in Verbindung treten:

  • Aus Ungarn: 06 40 21 21 21
  • Aus dem Ausland: +36 1 802 11 11

Konkurrenz stockt auf

Nicht nur am Freitag haben ehemalige Konkurrenten die gestrandeten Passagiere befördert, auch in den kommenden Monaten, werden Fluggesellschaften wie Lufthansa, Airberlin und Wizzair zahlreiche Malév-Routen abdecken.

Der ungarische Billigflieger Wizzair bietet den Besitzern eines gültigen Malév-Tickets auf 14 Strecken noch bis zum 23. März die Möglichkeit eines Umtausches für den Preis von 9900 Forint (ca. 34 Euro).

Wizzair

Ab heute wird auch Airberlin einmal täglich von Berlin nach Budapest unterwegs sein. der Sprecher der Airline erklärte: “Airberlin reagiert mit dem Angebot auf den Marktaustritt des Codeshare-Partners Malév.” Noch bis diesen Mittwoch können Passagiere ihr Malév-Ticket für 49 Euro umbuchen.

Noch am Tag des Groundings der ungarischen Airline erklärte Ryanair, am 17. Februar eine Basis auf dem Liszt Ferenc Flughafen in Budapest einrichten zu wollen. Ganze 31 Strecken will der irische Billigflieger ab Budapest bedienen.

Neben den Billigfliegern Ryanair, Airberlin und Wizzair stockt nach der Malév-Pleite auch die Lufthansa ihre Kapazitäten nach Budapest auf.

Fotos: Bulent – LtbaSpotter, Paul Keller, zsoolt, gusioo / Flickr cc.

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