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Nackt durchs Museum

In der Regel versorgen uns Museen mit allerlei Verboten, an die wir uns halten müssen. Kein Rennen, kein Fotografieren, kein Essen, kein Anfassen… aber keine Kleidung? Das ist neu, auch im Museum für Zeitgenössische Kunst in Sydney. Dort nämlich lädt der Künstler Stuart Ringholt zu „entblößten Museumsführung“.

Nackte Ausstellungsstücke und Künstler beeindrucken schon lange niemanden mehr. Auch im Theater kann man mit nackten Körpern schon lange nicht mehr schockieren. Nackte Museumsbesucher hingegen sind etwas neues.

Freikörperkultur im Museum

Zwischen dem 27. und 29. April lassen die Besucher des Museum of Contemporary Art in Sydney ihre Hüllen fallen, zumindest wenn Sie an der Führung des australischen Künstlers Stuart Ringholt teilnehmen möchten. Bei dieser ist er vollkommen nackt und dasselbe fordert er auch von den Besuchern.

Museum für Zeitgenössische Kunst in Sydney

Die Arbeiten des aus Melbourne stammenden Künstlers beschäftigen sich häufig mit Gefühlen wie Angst und Scham. So hat er sich in einer seiner vergangenen Ausstellungen absichtlich in peinliche Situationen begeben. Darunter war auch der Klassiker “mit einem Stück Toilettenpapier aus der Hose hängend in der Öffentlichkeit herumspazieren”.

Mit seinem neuen nackten Unternehmen möchte der Künstler versuchen, die Distanz zwischen Besucher, Künstler und der Botschaft, die durch die Kunstwerke vermittelt werden sollte, abzuschaffen oder zumindest die Beteiligten einander näher zu bringen.

Die Performance trägt den langen Namen Preceded by a tour of the show by artist Stuart Ringholt 6-8pm (the artist will be naked. Those who wish to join the tour must also be naked. Adults only).

Nackt im Museum

Und Dieser verrät wirklich alles. Der Rundgang findet außerhalb der Öffnungszeiten, zwischen 18 und 20 Uhr, statt. Der Künstler ist dabei nackt. Besucher, die an der Führung teilnehmen möchten, müssen ebenfalls nackt sein. Nur für Erwachsene.

Aber ist die Kunstszene von Sydney wirklich bereit für dieses nackte Unternehmen? Laut Kuratorin Rachel Kent sind sie mehr als bereit. Vor kurzem erklärte sie gegenüber dem Wall Street Journal: “Sydney liebt nackte Menschen.” Die Voraussetzungen für die Führung stehen also gut.

Damit sich die Besucher in ihr Eva- oder Adamskostüm hüllen können, stellt ihnen das Museum einen eigenen Umkleideraum zur Verfügung. So können wirklich alle materielle Barrieren zwischen Kunst und Kunstliebhaber abgeschafft werden.

Ringholt hat in der Vergangenheit auch schon das Museum of Old and New Arts in Tasmanien und das Museum of Contemporary Art in Melbourne mit ähnlichen Performances beehrt, die sich großer Beliebtheit erfreuten.

Würden Sie auch nackt an einer Museumsführung teilnehmen?

Fotos: seier+seier, Eva Rinaldi Celebrity and Live Music Photographer / Flickr cc. und Stuart Ringholt auf http://www.mca.com.au

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