couchsurfing
| featured | Reisetipps Von

Ist Couchsurfing tot?

Nein, die Couchsurfing-Seite wurde nicht eingestellt. Die Plattform, die Menschen, die auf ihren Reisen eine kostenlose Unterkunft suchen, mit gastfreundlichen Anbietern verbindet, ist noch da. Nach der letzten Runderneuerung des Portals stellt sich jedoch die Frage, wie viel von dem einstigen “Couchsurfing-Spirit” überlebt hat.

Surfer sucht Host

Die Idee, auf der Coushsurfing in 2003 gegründet wurde, ist schlichtweg genial. Das Netzwerk, auf dem Nutzer kostenlose Unterkünfte für ihre Reisen suchen und anderen Nutzern eine Couch in ihrem Wohnzimmer, eine Matratze oder gar ein richtiges Gästezimmer anbieten können, wuchs schnell und formte weltweite eine starke Gemeinschaft. Die steigende Popularität des Services kam jedoch nicht ohne negativer Nebenwirkungen. Seit Couchsurfing seinen Status in eine Profit-Organisation ändern musste, wurden massenhaft neue User angeworben und das Netzwerk wurde zunehmend kommerzialisiert.

Couchsurfing.org ist tot, es lebe Couchsurfing.com?

Letzte Woche ging die neueste Version von Couchsurfing an den Start. Und während “Old School”-Nutzer mit konstruktiver Kritik auf der Couchsurfing-Facebook-Seite Sturm gegen die Änderungen laufen, feiert sich CS mit Retweets von Glückwünschen zu ihrem neuen, coolen Look. Was hat es mit all der Aufregung auf sich?

Erstens: Durch das Löschen der HTML-Personalisierungen der Profil-Seiten gleicht jetzt ein Nutzer dem anderen. Diese Kritik könnte man bei Couchsurfing leicht damit untergraben, dass vor allem Old-School-Nutzer, wie schon so oft, schlecht mit Änderungen umgehen können. Auch sollen bestimmte Funktionen, wie das Suchen auf der Karte, über deren Verschwinden sich die User aufregen, in den kommenden Wochen wieder eingeführt werden. Eingeschworene Nutzer weisen jedoch auf weit wichtigere Änderungen hin, die einem eine sichere Wahl eines Hosts oder eines Surfers in der Zukunft deutlich erschweren werden.

So konnte man früher den Ort des letzten Log-ins eines Nutzers prüfen, eventuelle Gastgeber nach Erfahrung filtern, die Gruppen eines Nutzers einsehen, um sich einen Überblick über seine Interessen und die Zugehörigkeit zu bestimmten Communities (zum Beispiel LGBT) zu verschaffen, das Verhältnis zu einem anderen Couchsurfer, das einem gemeinsame Freunde, Bekannte, vergangene Hosts und Surfer und deren “Freundschaftsgrad” anzeigte, prüfen, besonders vertrauenswürdige Nutzer mit Vouchers belohnen usw.

All diese und noch andere wichtige Funktionen sind auf der neuen Seite passé. Funktionen, mit denen man früher die Wahrscheinlichkeit einer schlechten Couchsurfing-Erfahrung viel leichter minimieren konnte. Auf der anderen Seite können Nutzer jetzt sehen, welche ihrer Facebook-Freunde die Plattform nutzen. Wir fragen uns, wie das einem bei einer Couch-Suche in Singapur oder Florida weiterhelfen kann.couchsurfing2

Den langsamem “Untergang” der einstigen Werte der Seite, die oft als “Couchsurfing-Spirit” beschrieben wurden, beklagte schon Kritsanarat Khunkham in seiner Kolumne über alternatives Reisen bei Die Welt. Mit dem steigenden Bekanntheitsgrad der Seite stieg nämlich auch die Nummer von Spam-Nachrichten und leider auch Fällen von Missbräuch. Diese werden von CS zwar noch immer als verwerflich eingestuft; Opfer können Missbrauch melden und die Seiten von dubiosen Usern werden gelöscht; wie die neue, recht oberflächliche Version der Plattform zur Sicherheit beim Couchsurfing-Erlebnis beitragen soll, ist uns jedoch schleierhaft.

Von der Couch gefallen

Schon nachdem die Seite zu einer Profit-Organisation wurde, packe der erste Teil der alten Gemeinschaft die Koffer. Nach den letzten Updates wird wahrscheinlich noch so manch ein Nutzer folgen. BeWelcome empfängt Sie mit offenen Armen.

Was denken Sie, ist die neue Couchsurfing-Plattform frisch und attraktiv oder oberflächlich und unsicher?

Fotos: Couchsurfing auf Facebook

Schreiben Sie einen Kommentar