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Hallstatt – Made in China

Eines muss man ihnen lassen, die Chinesen sind Weltmeister, wenn es um das Nachmachen von Dingen geht. Kleidung, Autos oder Elektronik aus China sind ja schon lange nichts neues mehr. Bei ihrem letzten Streich geht es jedoch um einen Nachbau gigantischer Ausmaße. Für 750 Millionen Euro ließ das Unternehmen China Mine Metal Group nämlich ein ganzes österreichisches Alpendorf in Südchina originalgetreu nachbauen. Jetzt wurde das chinesische Hallstatt samt See und Kirchturm auch offiziell eröffnet.

Ein kleines Stück Österreich mitten in China

Die Hallstätter Dorfidylle in Pastellfarben ist schon längst nicht nur mehr in Österreich berühmt. In den letzten Jahren zählte man in dem Alpendorf auch immer mehr Besucher aus China. Diesen hat Hallstatt, das auch zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, anscheinend so gut gefallen, dass Sie es gleich bei sich zu Hause nachbauen ließen.

Das Unternehmen China Mine Metal Group scheute dabei keine Kosten und Mühen, nur damit man sich auch in China einmal so richtig in Europa, genauer gesagt in Österreich, fühlen kann. Da wurde an jedes Detail gedacht. Die Farben, die Balkons, die Engel, die Granitpflastersteine… sogar die Kirchenbemalung wurde per Hand kopiert

Schon wahr, bei dem See hat man bei den Maßen ein wenig geschummelt, der Rest schaut aber fast genau so aus wie das Original. Bis auf eine rote typisch englische Telefonzelle (Wie hat sich wohl diese hierher verirrt?) und ein paar Palmen, die irgendwie nicht gerade in die künstlich kreierte Alpenlandschaft passen. Aber wir wollen jetzt auch nicht zu kleinlich sein.

Eine andere Sache, an der auch die zahlreichen Ingenieure, die an dem Projekt tüftelten nichts ändern konnten, ist das Wetter. Im chinesischen Hallstatt herrscht ein nämlich ein subtropisches Klima (daher auch die Palmen) im Gegensatz zum alpinen im Original.

Das geklonte UNESCO-Kulturerbe

Das chinesische Hallstatt ist nicht nur eine kopierte Sehenswürdigkeit. Das ganze ist vielmehr ein gigantisches Wohnprojekt. Dabei sollten um die “Altstadt”, neben den schon gebauten, zahlreiche Wohnhäuser und Villen für gutbetuchte chinesische Käufer entstehen. Wohnen im Alpenstil kostet teuer. Der Preis für einen Quadratmeter liegt bei umgerechnet ungefähr 1130 Euro.

Wenn man die Einwohner der österreichischen Hallstatts zu dem Vorhaben fragt, sind die Meinungen geteilt. Einige sehen das Projekt als eine billige Nachmache, andere als kostenlose Werbung für den heimischen Tourismus. Wie auch immer, bei der offiziellen Einweihung der chinesischen Kopie war auch Alexander Scheutz, der Bürgermeister von Hallstatt, dabei.

Nach anfänglichen Bedenken bezeichnete er das Projekt als “Kompliment für unser Dorf”. Und auch auf der Internetseite von Hallstatt konnte man den ganzen Rummel um den chinesischen Klon gekonnt für den folgenden Slogan nutzen: “Hallstatt – Das Original. Millionenfach fotografiert – einmal kopiert – nie erreicht.”

Hallstatt, das Original

Hallstatt, das Original

Hallstatt, das Original

Solche Nachbauten sind in China schon längst gang und gäbe. Kopien von europäischen Sehenswürdigkeiten und Wohnhäusern sind populär und zahlreich. So kann es Ihnen bei ihrer nächsten China-Reise vielleicht auch passieren, dass Sie auf eine bekannte Kulisse oder sogar das Nachbarhaus stoßen.

Wenn Sie das Original sehen möchten, müssen Sie nur nach Salzburg fliegen. Hallstatt ist nämlich nur einen Sprung von der Mozartstadt entfernt.

Fotos: sjdunphy, Amstrong White, rackamblack / Flickr cc.

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